Was ist eine Narrenzunft?
Von Florian Bodenmüller · · 7 Min. Lesezeit
Inhalt
- Was bedeutet der Name Narrenzunft?
- Was macht eine Narrenzunft?
- Wie unterschiedlich sind Narrenzünfte?
- Wie ist eine Zunft organisiert?
- Zunft, Fasnetsverein, Verband: Wo liegt der Unterschied?
- Welche Verbände gibt es?
- Wie wird man Mitglied einer Narrenzunft?
- Zünfte und fasnetskalender.de
- Wie viele Narrenzünfte gibt es?
- Wo gibt es weitere Grundlagen?
Narrenzünfte sind die Vereine hinter der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Der Artikel erklärt, was sie tun, wie sie organisiert sind, welche Verbände es gibt, wie vielfältig die Zünfte von Elzach bis Wangen sind und wie man mitmachen kann.
Eine Narrenzunft ist ein Verein, der die Fasnet seiner Heimatgemeinde pflegt. Sie organisiert Bräuche wie Narrenbaum und Narrensprung, bewahrt das örtliche Häs mit seinen Figuren und ist meist ein eingetragener Verein. An ihrer Spitze steht häufig ein Zunftmeister. Viele Zünfte gehören einem Verband an.
Was bedeutet der Name Narrenzunft?
Das Wort erinnert an mittelalterliche Handwerkszünfte, hat mit ihnen aber nichts zu tun. Eine Narrenzunft ist keine Berufsvereinigung, sondern ein Brauchtumsverein. Im Mittelpunkt stehen die überlieferten Figuren und Bräuche des Ortes, nicht Sitzungen mit Büttenreden, wie man sie vom rheinischen Karneval kennt. Die Fasnet selbst, in anderen Regionen Fasching oder Karneval genannt, ist meist deutlich älter als die Vereine, die sie heute tragen. In Rottenburg am Neckar etwa reichen die ersten Nachrichten über die Fasnet bis ins Jahr 1410 zurück, die Narrenzunft ist dort seit 1952 ein eingetragener Verein.
Was macht eine Narrenzunft?
Im Mittelpunkt steht das Brauchtum des Ortes. Typische Aufgaben sind:
- das Setzen des Narrenbaums und weitere örtliche Bräuche rund um die Fasnetstage,
- die Ausrichtung des Narrensprungs, dem Umzug der Zunft mit ihren Figuren,
- die Pflege des Häs, also der Kostüme der Figuren, die oft an lokale Geschichte oder Sagen anknüpfen,
- der Narrenruf, ein eigener Ruf, den viele Zünfte als Erkennungszeichen führen,
- Veranstaltungen wie Fasnetsbälle, Brauchtumsabende und Kinderfasnet.
Die Zunft ist damit zugleich Veranstalter, Traditionswahrer und Ansprechpartner der Gemeinde. Die Termine vieler Zünfte stehen im Kalender.
Wie unterschiedlich sind Narrenzünfte?
Kaum eine Zunft gleicht der anderen. Ein Blick quer durch das Gebiet zeigt, wie verschieden Figuren und Bräuche sind:
- Elzach im Schwarzwald: Die Fasnet dauert nur drei Tage. Prägend ist der Schuttig mit rotem Filzzottelkleid und verkehrt aufgesetztem Strohhut. Er nimmt seine Larve in der Öffentlichkeit nie ab. Seine heutige Gestalt erhielt er in der Reformfasnet 1911, sein Ursprung ist vermutlich im „Wilden Mann“ zu suchen, aber nicht geklärt.
- Rottenburg am Neckar: Hier bestimmen Ahlande, Hexen und der Klopfgeist Pompele das Bild. Am Schmotzigen Dunschtig entfachen die Hexen auf dem Marktplatz ein Feuer, die Ahlande jagen sie davon, damit beginnt die Fasnet.
- Wangen im Allgäu: Die Wangemer Narrenzunft Kuhschelle weiss-rot führt den Schellenbue als Wahrzeichen. An der Spitze des Narrensprungs geht der Büttel. Der Zunftrat übernimmt während der Fasnet im Häs wohlhabender Bürger die Amtsgeschäfte der Stadt.
- Laufenburg am Hochrhein: Die Narro-Altfischerzunft trägt ein Schuppenkleid mit Holzmaske. Die Stadt wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts politisch geteilt, die Zunft blieb aber über die Grenze hinweg gemeinsam bestehen. Sie wird getrennt verwaltet, den Vorsitz beim Hauptbott übernehmen die Zunftmeister abwechselnd.
- Munderkingen an der Donau: Zur Fasnet gehört der Brunnensprung. Am Fasnetssonntag und am Fasnetsdienstag springen zwei unverheiratete Männer in den Brunnen, begleitet von der Trommelgesellenzunft. Woher der Brauch stammt, ist nicht eindeutig geklärt.
- Bad Waldsee und Weingarten in Oberschwaben: In beiden Städten betreiben die Zünfte ein eigenes Fasnetsmuseum. Die Narrenzunft Waldsee führt es in der ehemaligen Ölmühle und bietet Besuche nur mit Führung an, die Plätzlerzunft Altdorf-Weingarten 1348 hat ihr Museum seit 2003 in einem ehemaligen Lehenshof des Klosters Weingarten mit mehr als 50 lebensgroßen Figuren.
- Überlingen am Bodensee: Als nächtlicher Höhepunkt der Fasnet gilt der Hänselejuck.
- Bräunlingen auf der Baar: Die Narrenzunft Eintracht wurde am 19. Februar 1890 gegründet. Seit 1985 gibt es eine Zunftstube mit Fasnetausstellung.
- Donaueschingen auf der Baar: Die Narrenzunft Frohsinn betreibt im ehemaligen fürstlichen Sennhof ein Zunft-Museum. Es wurde 2002 eröffnet, 2012 erweitert und umfasst über 200 Quadratmeter.
- Gottmadingen im Hegau: Die Narrenzunft Gerstensack feierte im Januar 2024 ihr 150-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsumzug am Sonntag, 28. Januar 2024. Dazu wurden rund 5.000 Hästräger der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee erwartet.
Die Beispiele zeigen: Dieselbe Bezeichnung „Narrenzunft“ steht für sehr unterschiedliche Figuren, Ämter und Bräuche. Was zählt, ist das, was der Ort überliefert hat.
Wie ist eine Zunft organisiert?
Viele Narrenzünfte sind eingetragene Vereine mit Satzung, Mitgliederversammlung und gewähltem Vorstand. Die Leitung heißt häufig Zunftmeister, die Bezeichnungen unterscheiden sich von Ort zu Ort. In Wangen vertritt ein Narrenvater die Zunft während der Fasnet. Innerhalb der Zunft gibt es meist Gruppen für einzelne Figuren, dazu Musik- und Trommlergruppen. Wie eine Zunft ihre Ämter und Gruppen nennt und gliedert, legt sie selbst fest.
Zunft, Fasnetsverein, Verband: Wo liegt der Unterschied?
Im Alltag werden die Begriffe vermischt. Eine sinnvolle Unterscheidung:
- Narrenzunft: Verein vor Ort, der das Brauchtum der eigenen Gemeinde pflegt.
- Fasnetsverein oder Narrenverein: ähnlich gelagerter Verein, der sich nicht „Zunft“ nennt. Die Übergänge sind fließend, und der Name sagt nicht immer etwas über die Ausrichtung.
- Verband: Zusammenschluss mehrerer Zünfte, der Brauchtum fördert, die Mitglieder berät und Narrentreffen ermöglicht.
Welche Verbände gibt es?
Die Verbandslandschaft ist vielfältig, weil sich Zünfte meist nach Region und Brauchtum zusammenschließen. Wichtig sind unter anderem:
- Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN): eine der ältesten Narrenvereinigungen Deutschlands, am 16. November 1924 in Villingen gegründet, mit Sitz in Bad Dürrheim und 68 Mitgliedszünften. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte unter anderem die Narro-Altfischerzunft Laufenburg.
- Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON): Zusammenschluss von Zünften im badischen Raum am Oberrhein.
- Narrenvereinigung Hegau-Bodensee: Zusammenschluss von Zünften im Hegau.
- Alemannischer Narrenring: Zusammenschluss mit den Regionen Allgäu, Bodensee und Oberschwaben-Donau.
Die Verbände unterscheiden sich in Größe, Gebiet und Selbstverständnis. Manche Zunft gehört mehreren Zusammenschlüssen an, andere gar keinem.
Welchen Zweck verfolgt ein Verband am Beispiel der VSAN?
Die VSAN will alte Fasnetsbräuche bewahren, pflegen und weiterentwickeln. Sie berät und betreut ihre Mitglieder und vertritt deren Interessen nach außen. Ihr Gebiet umfasst die Regierungsbezirke Freiburg, Tübingen und Stuttgart sowie Schwaben und fünf Schweizer Kantone.
Eine Mitgliedschaft in einem Verband ist nicht zwingend. Wer aufgenommen wird, bestimmen die Satzungen der Verbände.
Wie wird man Mitglied einer Narrenzunft?
Die Aufnahme regelt jede Zunft selbst. Viele Zünfte nennen auf ihrer Internetseite eine Ansprechperson oder ein Kontaktformular. Üblich ist, dass Interessierte zunächst Kontakt aufnehmen und die Zunft über Beitrag, Eintritt in eine Figurengruppe und Häs informiert. Ob und wie lange es Wartezeiten für bestimmte Figuren gibt, unterscheidet sich von Zunft zu Zunft. In Munderkingen etwa führt der Weg zum Brunnensprung über die Trommelgesellenzunft und über mehrjährige Wartelisten. Allgemeine Regeln gibt es dafür nicht.
Zünfte und fasnetskalender.de
Auf fasnetskalender.de können Narrenzünfte ein eigenes Profil anlegen und ihre Termine selbst eintragen. Besucher finden Narrensprünge, Bälle und Kinderveranstaltungen im Terminkalender und sehen dort, welche Zunft eine Veranstaltung ausrichtet.
Wie viele Narrenzünfte gibt es?
Eine amtliche Zählung gibt es nicht. Die Zahl der Zünfte und Narrenvereine ist groß, und neue Gruppen kommen immer wieder hinzu. Auch die Verbände bilden nur einen Teil davon ab: Die VSAN vertritt mit ihren 68 Zünften nur einen Ausschnitt. Wie viele Zünfte im Kalender stehen, hängt davon ab, wie viele ihre Termine selbst eintragen.
Wo gibt es weitere Grundlagen?
Weitere Grundbegriffe wie Narrensprung, Gumpiger Donnerstag und Funkensonntag erklärt die Seite Fasnet-FAQ. Die konkreten Termine der Saison, die am Mittwoch, 6. Januar 2027, beginnt, stehen im Kalender.
Häufige Fragen
Was ist eine Narrenzunft?
Eine Narrenzunft ist ein meist eingetragener Verein, der die Fasnet einer Gemeinde pflegt. Er organisiert Bräuche wie den Narrenbaum und den Narrensprung und bewahrt das örtliche Häs mit den dazugehörigen Figuren.
Ist eine Narrenzunft dasselbe wie ein Karnevalsverein?
Nein. Bei einer Narrenzunft stehen das überlieferte örtliche Brauchtum, das Häs und die Figuren des Ortes im Mittelpunkt, nicht Sitzungen mit Büttenreden. Die Fasnet im Südwesten unterscheidet sich damit vom Karneval, wie man ihn vom Rhein kennt.
Was ist die VSAN?
Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) wurde am 16. November 1924 in Villingen gegründet und hat ihren Sitz in Bad Dürrheim. Sie zählt 68 Mitgliedszünfte und ist eine der ältesten Narrenvereinigungen Deutschlands. Daneben gibt es weitere Verbände.
Muss eine Zunft einem Verband angehören?
Nein. Viele Zünfte sind Mitglied in einem Verband, etwa in der VSAN, im Verband Oberrheinischer Narrenzünfte oder in der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, andere arbeiten selbstständig. Die Mitgliedschaft regeln die Satzungen der jeweiligen Verbände.
Wie finde ich die Termine einer Narrenzunft?
Die Termine einer Zunft stehen auf deren eigener Internetseite und im Kalender auf fasnetskalender.de. Der Kalender lässt sich nach Terminart und Landkreis filtern, etwa für Narrensprünge, Bälle und Kinderveranstaltungen.
Quellen
- Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) (öffnet in neuem Tab)
- VSAN, Chronik (öffnet in neuem Tab)
- VSAN, Ziele und Zweck (öffnet in neuem Tab)
- Narro-Altfischerzunft 1386 Laufenburg, Geschichte (Hochrhein) (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Rottenburg, Selbstdarstellung (Neckar-Alb) (öffnet in neuem Tab)
- Wangemer Narrenzunft Kuhschelle weiss-rot, Figuren (Allgäu) (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Elzach, Der Schuttig (Schwarzwald) (öffnet in neuem Tab)
- Stadt Elzach, Märkte und Feste (öffnet in neuem Tab)
- Stadt Munderkingen, Brunnensprung und Aufnahme (Donau) (öffnet in neuem Tab)
- Stadt Bad Waldsee, Fasnet- und Ölmühlenmuseum (Oberschwaben) (öffnet in neuem Tab)
- Stadt Weingarten, Fasnetsmuseum der Plätzlerzunft (Oberschwaben) (öffnet in neuem Tab)
- Gemeinde Gottmadingen, Amtsblatt vom 25. Januar 2024 (Hegau) (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Eintracht Bräunlingen, Geschichte der Zunft (Baar) (öffnet in neuem Tab)
- Stadt Donaueschingen, Zunft-Museum der Narrenzunft Frohsinn (Baar) (öffnet in neuem Tab)
- Stadt Überlingen, Fastnacht (Bodensee) (öffnet in neuem Tab)
- Alemannischer Narrenring, Regionen (öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia, Narrenzunft (Hintergrund) (öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia, Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (Hintergrund) (öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia, Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (Hintergrund) (öffnet in neuem Tab)