Häs und Larve: der Unterschied
Das Häs ist das komplette Narrenkostüm der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die Larve ist die Gesichtsmaske, oft aus Holz, als ein Teil davon. Der Artikel erklärt Wortherkunft, Bestandteile und Herstellung mit Beispielen aus dem ganzen Gebiet.
Von Florian Bodenmüller · · 6 Min. Lesezeit
Das Häs ist das gesamte Narrenkostüm der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die Larve ist die Gesichtsmaske darin, oft aus Holz geschnitzt. Die Larve gehört also zum Häs, ersetzt es aber nicht. Wer beim Narrensprung zuschaut, sieht beides gemeinsam: Kleid, Kopfbedeckung, Zubehör und die Maske.
Was ist das Häs?
Häs ist der schwäbische Ausdruck für das Narrenkleid und kam von dort ins Alemannische. Im Schwäbischen bezeichnet er bis heute auch Alltagskleidung, etwa das Sonntagshäs. In der Fasnet steht das Wort für das Kostüm einer Narrenfigur.
Woher kommt das Wort Häs?
Die Herkunft des Wortes ist nicht geklärt. Vermutlich geht es auf alte Wörter für Kleidung zurück. Für den Alltag genügt: Häs bedeutet in der Fasnet das ganze Narrenkostüm.
Woraus besteht ein Häs?
Ein Häs besteht je nach Figur aus mehreren Teilen:
- Narrenkleid: Jacke und Hose oder ein Gewand, häufig aus Leinen, mit aufgenähten Stoffflecken, Filz, Stroh oder Schellen.
- Kopfbedeckung: zum Beispiel Haube, Hut oder Kappe.
- Larve: die Maske vor dem Gesicht.
- Zubehör: Requisiten wie Rätsche, Karbatsche, Schweinsblase oder Fuchsschwanz, je nach Figur.
Wie unterschiedlich das aussieht, zeigt ein Blick durch das Verbreitungsgebiet:
- Konstanz am Bodensee: Das Häs des Blätzlebuebs besteht aus rund 1.500 bunten Stoffflecken, dazu kommen ein roter Kamm, eine Pritsche und viele Glöckchen.
- Singen im Hegau: Das Häs der Hansele ist aus gestanzten Blätzle in der festen Farbfolge Gelb, Grün, Braun, Rot und Blau genäht. Fuchsschwanz, etwa 300 kleine Schellen und eine Schweinsblase gehören dazu, das Gesicht bedeckt eine Maske aus schwarzem Stoff. Die Hoorigen Bären tragen dagegen einen Drillichanzug mit aufgenähtem Erbsenstroh, und jedes Jahr entstehen neue Häser.
- Wangen im Allgäu: Der Schellenbue trägt ein Häs in Gelb und Grün mit einer geflochtenen Korbschelle. Beim Spindelnarr sind statt Schellen Baumwollspindeln aufgenäht, die klingen.
- Haigerloch im Neckar-Alb-Gebiet: Die Bischöfle tragen spätbarocke, geschlechtslose Glattlarven, ihr Häs besteht aus ungebleichtem Leinen mit aufrecht stehenden, rautenförmigen Fleckle, dazu kommen ein Rokoko-Hütchen sowie Rätschen, Saublodern und Karbatschen.
- Laufenburg am Hochrhein: Das Häs des Narro besteht aus Blätzli in mindestens fünf Farben, die wie Fischschuppen aufgenäht sind.
- Mengen an der Donau: Der Plätzler trägt aufgenähte Filzflecken.
- Elzach im Schwarzwald: Der Schuttig trägt rote Filzzotteln und einen Dreispitz-Strohhut mit Schneckenhäuschen und Wollbollen. Ein grünes Filztuch hängt an der Larve und macht den Träger unkenntlich.
Was ist die Larve?
Die Larve ist die Maske. Das Wort ist vor allem in Süddeutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz gebräuchlich. Es geht wie das gleichlautende Wort für das Jugendstadium von Insekten auf das lateinische „larva“ zurück, das Gespenst bedeutet. Der Begriff verweist auf das Schemenhaft-Gespenstische. Neben Larve sind auch Scheme und Maske üblich.
In der schwäbisch-alemannischen Fasnet sind klassische Larven handgeschnitzt und aus Holz. Daneben gibt es Larven aus Pappmaschee: In Riedlingen an der Donau bestehen mehrere Köpfe der Narrenzunft Gole daraus, andere Figuren tragen dort Holzmasken.
Welche Arten von Larven gibt es?
Einige Larven zeigen glatte Gesichter. Sie heißen Glattlarven und sind aus Holz. Andere Larven stellen Fratzen, Tiere, Teufel oder wilde Gestalten dar. In Elzach unterscheidet man sieben Grundtypen: Langnase, Mundle, Fratz, Lätsch, Bartlarve, Teufel und Gfriss, also die Bären- oder Fuchsmaske. Meist stammen diese Larven von Holzbildhauern, einige Narren schnitzen sie selbst.
In Laufenburg am Hochrhein ist die Holzlarve mit Pelz versehen, jede einzelne ist ein Unikat. Die Narrönin trägt dort eine Glattlarve und eine Larvenhaube aus Samt.
Auch der Gesichtsausdruck hängt von der Figur ab. In Rottweil zeigt die Larve der Figur Gschell ein feines Männergesicht im Barockstil, die Larve des Schantle ein kräftiges Gesicht mit Falten und die Larve des Fransenkleids ein Frauengesicht.
Trägt jede Figur eine Holzlarve?
Nein. Neben Holzlarven gibt es Stoffmasken und Stoffkappen. Die Hänsele in Überlingen tragen eine Stoffkappe mit Filzstreifen und Pailletten. Statt einer Nase hängt daran ein 30 bis 40 Zentimeter langer Rüssel aus schwarzem Samt. Die Fledermaus und die Dominos in Haigerloch tragen Stofflarven. In Konstanz hat bei den Blätzlebuebe nur der Bolizeiblätz eine Holzlarve. Der Ditzelede in Mengen kommt mit geschminktem Gesicht statt mit Maske.
Wie entsteht eine Larve?
Die Herstellung teilt sich in zwei Handwerke. Ein Schnitzer formt das Gesicht aus Holz, häufig aus Lindenholz, das weich und beständig ist, gleichmäßig strukturiert und nicht reißt. Eine Larve ist Handarbeit und meist ein Unikat. Danach bemalt ein Fassmaler die Larve. Die Bemalung heißt Fassung, und sie bestimmt maßgeblich, wie die Larve aussieht und welchen Charakter sie bekommt.
Das Fassmalerhandwerk entwickelte sich aus dem Malerhandwerk. Eigene Meisterprüfungen sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Ein älteres Wort für den Fassmaler ist Staffiermaler.
Was ist ein Fassmalerzeichen?
Larven aus Villingen, Bonndorf und anderen Orten der Baar tragen teils ein Fassmalerzeichen, meist im Bereich der Schläfen. Seine ursprüngliche Bedeutung ist nicht gesichert. Heute gilt es als Signatur des Fassmalers.
Womit wird eine Larve bemalt und geschützt?
Früher wurden Larven mit Ölfarbe bemalt, teils geschieht das bis heute. Bei der Gschell-Larve aus Rottweil liegt über der Ölfarbe ein Firnis. Andere Zünfte können eigene Verfahren nutzen.
Wie lange bleiben Häs und Larve in Gebrauch?
Das ist von Figur zu Figur verschieden. Strohhäser wie die der Hoorigen Bären werden jedes Jahr neu angefertigt, Leinenhäser und Holzlarven dagegen über viele Jahre getragen und gepflegt. Weil Häs und Larve in Handarbeit entstehen, sind sie keine Massenware.
Woran erkennen Zuschauer Häs und Larve?
Wer die Begriffe kennt, kann das Gesehene bei einem Narrensprung besser einordnen:
- Das Kleid, das eine Figur trägt, gehört zum Häs.
- Die Maske oder Kappe vor dem Gesicht ist die Larve.
- Die Gegenstände in der Hand, etwa Rätsche, Karbatsche oder Besen, sind Zubehör und gehören je nach Figur zum Häs.
Eine Übersicht darüber, was ein Narrensprung ist, bietet der Artikel Was ist ein Narrensprung?. Kommende Termine stehen im Kalender. Allgemeine Fragen beantwortet die Seite Fasnet-FAQ.
Wer darf ein Häs tragen?
Ein Häs gehört zu einer Narrenzunft. In der Regel regelt die jeweilige Zunft, welche Figuren es gibt und wer sie trägt. Wer Interesse hat, spricht am besten die Narrenzunft am Wohnort an. Die Regeln können von Zunft zu Zunft abweichen.
Häs und Larve auf einen Blick
- Häs: das gesamte Narrenkostüm, häufig aus Leinen, je nach Figur mit Stoffflecken, Filz, Stroh oder Schellen.
- Larve: die Gesichtsmaske, oft aus Holz geschnitzt und bemalt, daneben aus Pappmaschee, Stoffmasken oder Stoffkappen, nur ein Teil des Häs.
- Handwerk: Die Holzlarve entsteht durch Schnitzer und Fassmaler, das Kleid ist Handarbeit.
Das sind typische Fälle. Einzelne Zünfte handhaben es anders.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Häs und Larve?
Das Häs ist das gesamte Narrenkostüm einer Figur. Die Larve ist die Gesichtsmaske und nur ein Teil davon. Das Häs umfasst zusätzlich Kleid, Kopfbedeckung und je nach Figur Zubehör wie Schellen, Rätsche oder Karbatsche.
Woraus besteht eine Larve?
Klassische Larven sind aus Holz geschnitzt, häufig aus Lindenholz. Daneben gibt es Larven aus Pappmaschee sowie Stoffmasken und Stoffkappen. Ein Fassmaler bemalt die Holzlarve, diese Bemalung heißt Fassung. Zum Schluss schützt ein Anstrich oder Firnis die Farbe.
Was bedeutet das Wort Häs?
Häs ist der schwäbische Ausdruck für das Narrenkleid. Die Herkunft des Wortes ist nicht geklärt, vermutlich geht es auf alte Wörter für Kleidung zurück. Im Schwäbischen steht Häs auch außerhalb der Fasnet für Kleidung, etwa als Sonntagshäs.
Trägt jede Fasnetsfigur eine Holzlarve?
Nein. Viele Figuren tragen eine geschnitzte Holzlarve, andere eine Stoffmaske oder eine Stoffkappe. Die Hansele der Poppele-Zunft Singen tragen eine Maske aus schwarzem Stoff, die Hänsele in Überlingen eine Stoffkappe.
Darf jeder ein Häs tragen?
In der Regel nicht. Ein Häs gehört zu einer Narrenzunft, und die Zünfte haben jeweils eigene Regeln. Wer mitlaufen möchte, fragt am besten bei der Narrenzunft vor Ort nach.
Quellen
- VSAN, Fastnachtsglossar (Häs, Larve, Glattlarve) (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Elzach, Larvenvielfalt (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Elzach, Narrengestalt (Schuttig) (öffnet in neuem Tab)
- Poppele-Zunft Singen, Hansele (öffnet in neuem Tab)
- Poppele-Zunft Singen, Hoorige Bären (öffnet in neuem Tab)
- Konstanzer Blätzlebuebe-Zunft, Fasnachtsfiguren (öffnet in neuem Tab)
- Hänselezunft Überlingen, Häs und Karbatsche (öffnet in neuem Tab)
- Wangemer Narrenzunft Kuhschelle weiss-rot, Häser (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Haigerloch, Zunft und Figuren (öffnet in neuem Tab)
- Narro-Altfischerzunft Laufenburg, Narrenfiguren (öffnet in neuem Tab)
- Mengener Narrenzunft, Figuren (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Gole Riedlingen, Gruppen (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Rottweil, Fasnetshandwerk (Larve und Fassung) (öffnet in neuem Tab)
- Narrenzunft Rottweil, Narrentypen (Larven einzelner Figuren) (öffnet in neuem Tab)
- Schwarzwald Tourismus, Der Larvenschnitzer (öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia, Häs (öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia, Larve (Maske) (öffnet in neuem Tab)