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Was ist ein Narrensprung?

Der Narrensprung ist der Umzug der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Der Artikel erklärt die Herkunft des Begriffs, Ablauf, Teilnehmer, Narrenruf und Narrenmarsch und nennt die Fasnetstage 2027.

Von Florian Bodenmüller · · 5 Min. Lesezeit

Narren in Häs und Larve ziehen bei Schneetreiben durch eine Altstadtstraße, dahinter Zuschauer unter Regenschirmen
Bild: jamesqube, Pixabay (Pixabay-Lizenz), Bild-ID 4608576

Ein Narrensprung ist der Umzug einer Narrenzunft in der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Die Narren ziehen in Häs und meist mit Larve in einer festgelegten Reihenfolge durch den Ort, begrüßen das Publikum oft mit einem Narrenruf und werden von Musikgruppen begleitet. Der Begriff steht für den Umzug und für den hüpfenden Schritt vieler Figuren.

Woher kommt der Name Narrensprung?

Der Begriff meint zweierlei: den Umzug als Ganzes und den springenden oder hüpfenden Schritt, mit dem sich viele Figuren fortbewegen. Die Bezeichnung stammt vermutlich aus Rottweil, wo sie für den Zug der Narren durch das Schwarze Tor verwendet wurde. Von dort verbreitete sie sich, zunächst in Oberschwaben, später im weiteren Gebiet der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

In anderen Regionen heißen vergleichbare Veranstaltungen Fastnachtsumzug, Faschingsumzug oder Karnevalszug.

Wie läuft ein Narrensprung ab?

Den Ablauf legt die jeweilige Narrenzunft fest. Häufig sind die Gruppen nach Figuren geordnet, auf den Umzug folgt das Narrentreiben. Zu einem Narrensprung gehören oft diese Elemente:

  • Umzug der Gruppen, häufig nach Figuren geordnet
  • Narrenruf zwischen Gruppe und Publikum
  • Narrenmärsche, auf deren Takt sich der Schritt vieler Figuren abstimmt
  • anschließendes Narrentreiben

Wie groß ein Narrensprung ist, unterscheidet sich stark. In Wangen im Allgäu ist der Große Narrensprung am Fasnetsmontag einer der Höhepunkte der Fasnet: Er dauert mehr als zwei Stunden, führt durch die Altstadt und bringt mehrere tausend Masken und Häser aus Oberschwaben-Allgäu, Vorarlberg und weiteren befreundeten Zünften zusammen. In Elzach im Schwarzwald zieht am Fasnetssonntagabend ein Fackelumzug durch die Stadt, den die Zunft seit 1911 kennt. Bei den großen Umzügen sind heute wegen der gewachsenen Beteiligung vier Kapellen nötig.

In Waldshut am Hochrhein steht die Närrische Gass am Fasnetsmontag im Mittelpunkt, mit Guggenmusik und Straßenständen auf der Kaiserstraße. Schon am Gumpigen Donnerstag gibt es zudem einen Kinderumzug. In Stockach im Hegau ist die Fasnet in mehrere eigenständige Vereine gegliedert: An der Spitze steht das Narrengericht, dessen Gerichtsverhandlung am Schmotzigen Dunschtig stattfindet. Laufnarren und Hänselegruppe sind eigene Vereine.

Auch die Regeln für die Mitlaufenden unterscheiden sich. In Rottweil benötigt jeder Narr eine Narrenkarte, erhält vor dem Sprung einen Stempel in den Sammellokalen ob dem Schwarzen Tor, wird von der Zunft gemustert und bleibt bis zur Auflösung des Zuges auf dem Friedrichsplatz mit geschlossener Larve. Auch das Auswerfen von Orangen ist dort durch ein Gerichtsurteil verboten; die Zunft nennt stattdessen Brezeln oder Berliner. Solche Vorgaben sind örtlich verschieden und lassen sich nicht auf jeden Narrensprung übertragen.

Wer läuft beim Narrensprung mit?

Neben der ausrichtenden Zunft nehmen vielerorts Gastzünfte teil. Es gibt aber auch Orte, an denen vor allem die Figuren der eigenen Zunft laufen.

Zu sehen sind oft:

  • Figuren in Häs (Gewand) und Larve (Maske), je nach Zunft mit Glocken, Schellen oder anderen Requisiten. Mehr dazu im Artikel Häs und Larve: der Unterschied
  • Musikgruppen wie Musikkapellen, Fanfarenzüge oder Guggenmusiken

Was eine Figur trägt und wie sie sich bewegt, bestimmt jede Zunft selbst. Deshalb sehen zwei Narrensprünge oft sehr verschieden aus. In Villingen gehören neben dem Narro etwa Butzesel, Stachi, Wuescht und die Altvillingerin zu den Figuren. In Rottenburg am Neckar prägen die Ahlande, die Stadthexen und der Pompele das Bild. Am Bodensee ist der Hänsele die Hauptfigur der Überlinger Fastnacht, der seit 1766 namentlich belegt ist.

Was ist ein Narrenruf und was ein Narrenmarsch?

Der Narrenruf ist ein kurzer Wechselruf: Die Gruppe ruft den ersten Teil, das Publikum antwortet mit dem zweiten, etwa bei „Narri – Narro“. In Wangen im Allgäu lautet der Ruf „Schelle – Schelle!“ und die Antwort „Schell-au!“.

Der Narrenmarsch ist Marschmusik, die nur in der Fasnet gespielt wird. Als vermutlich erster eigens für die schwäbisch-alemannische Fasnet geschriebener Narrenmarsch gilt ein Stück aus dem Jahr 1882. Die Figuren, die Glocken tragen, stimmen ihren Schritt oft auf diese Musik ab.

Wann finden Narrensprünge statt?

Die Fasnet beginnt jedes Jahr am 6. Januar (Dreikönig) und endet mit dem Funkensonntag. Narrensprünge gibt es in dieser ganzen Zeit, besonders viele aber an den Hauptfasnetstagen. Fasnetsfreitag und Fasnetssamstag sind vielerorts von Narrensprüngen geprägt, am Fasnetssonntag finden vielerorts große Umzüge am Nachmittag statt, und am Fasnetsmontag setzen viele Narrenzünfte ihre Umzüge fort.

Manche Großumzüge liegen weit vor den Hauptfasnetstagen. In Elzach ist der große Narrentag 2027 mit dem Großen Sonntagsumzug für Sonntag, 17. Januar 2027, angesetzt.

Die Termine 2027:

  • Beginn der Fasnet: Mittwoch, 6. Januar 2027
  • Gumpiger Donnerstag: Donnerstag, 4. Februar 2027
  • Fasnetsfreitag: Freitag, 5. Februar 2027
  • Fasnetssamstag: Samstag, 6. Februar 2027
  • Fasnetssonntag: Sonntag, 7. Februar 2027
  • Fasnetsmontag: Montag, 8. Februar 2027
  • Fasnetsdienstag: Dienstag, 9. Februar 2027
  • Funkensonntag: Sonntag, 14. Februar 2027

Konkrete Narrensprünge mit Ort, Datum und Uhrzeit stehen im Kalender. Wer ein bestimmtes Wochenende plant, findet in der Wochenendübersicht alle Termine gebündelt.

Was gilt für Zuschauer?

Ein Narrensprung ist Brauchtum. Die jeweilige Zunft bestimmt Ablauf und Regeln. Ob eine Gruppe Gaben ins Publikum wirft und welche, entscheidet ebenfalls die Zunft. Wer unsicher ist, achtet auf die Hinweise vor Ort.

Wo gibt es Antworten auf weitere Fragen?

Allgemeine Fragen zu Fasnetstagen und Begriffen beantwortet die Seite mit häufigen Fragen. Wer wissen möchte, welche Narrensprünge in der Nähe stattfinden, setzt im Kalender den Filter für Narrensprünge und den gewünschten Landkreis.

Was ist die VSAN?

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) mit Sitz in Bad Dürrheim wurde 1924 in Villingen gegründet und zählt 68 Mitgliedszünfte, darunter die Narro-Zunft Waldshut. Auf ihrer Website bietet sie ein Fastnachtsglossar und einen Veranstaltungsüberblick an.

Häufige Fragen

Was ist ein Narrensprung?

Ein Narrensprung ist der Umzug einer Narrenzunft in der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Die Narren ziehen in Häs und meist mit Larve durch den Ort, oft begleitet von Musik und Narrenrufen.

Woher kommt der Begriff Narrensprung?

Die Bezeichnung stammt vermutlich vom Zug der Narren durch das Schwarze Tor. Der Begriff bezeichnet außerdem den hüpfenden Schritt vieler Figuren.

Wann finden Narrensprünge statt?

Narrensprünge gibt es zwischen dem 6. Januar und dem Funkensonntag. Besonders viele liegen vielerorts an den Tagen von Fasnetsfreitag bis Fasnetsdienstag. 2027 sind das Freitag, 5. Februar, bis Dienstag, 9. Februar.

Wer läuft beim Narrensprung mit?

Neben der ausrichtenden Narrenzunft nehmen vielerorts befreundete Gastzünfte und Musikgruppen teil. Andernorts laufen vor allem die Figuren der eigenen Zunft.

Quellen

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